Visionerski Transport – Ausstellung 2011

Die Ausstellung zeigt verschiedene Werke der Gruppe VT als auch von einzelnen Aktiven von VT. Sie wird von einem Programm aus Performance, Lesung und Vortrag begleitet.

Die Ausstellung war vom 16. – 20. März 2011 im D21 Kunstraum Leipzig und vom 14. – 19. April 2011 im Dom Omladine in Belgrad zu sehen.

Werke der Ausstellung


Transkription eines Floßes
[Visionerski Transport, 2010]
Aussenabmessungen des VT Floßes, verschiedene Materialien, Sitzgelegenheiten
Die Installation rahmt die Ladung des VT Floßes ein. Wie VT von einem Floß zu einer Organisation umgeformt wurde, wurden die Notizen, Bilder und Sounds der Reise von Wasser zu Land und von Affektion zu Reflexion überschrieben. Sie flossen ein in das Logbuch „Dnevnik plovidbe“, das Audio-Feature „Skela Songs“ und die Videoanimation „Kontrola u otvorenoj petlji“.

Skela Songs [Isabel Herling, 2010]
Audioinstallation, ca. 15 Tracks, 1 MP3 Player, 2 Lautsprecher, 1 Leuchtkasten
Skela Songs ist ein akustisches Bild der Sava, das den Fluss zeigt, wie er uns, der VT Crew, begegnete.
exhibition_skela-songs
Unterschiedliche Eindrücke bzw. Charakterzüge der Save werden abhängig von Orten und Personen, in mehreren Audiostücken vertont. Ein wichtiges Element (neben Geräuschen und Klängen) ist der Umgang mit der fremden, gesprochenen Sprache – deren Verwendung und Wirkung im Zusammenspiel mit der vertrauten, eigenen Sprache. Skela Songs ist Ergebnis der Beschäftigung mit der Frage, wie viel Übersetzung notwendig und konstruktiv ist und in welcher Weise sowie mit welchen akustischen Mitteln „übersetzt“ werden kann.

Dnevnik plovidbe [Visionerski Transport, 2010]
Buch, Offsetdruck, B5 Hardcover, 5 Kopien
Dnevnik plovidbe ist eine eigenständige Publikation die gleichzeitig als Ausstellungskatalog fungiert. Das Buch beinhaltet eine Auswahl der während des VT Trips entstandenen Bilder und Interviews.

Kontrola u otvorenoj petlji [Jadranko Barišić, 2010]
Stopmotion Animation, 2´ Loop, 12” Monitor
Die Idee des Flößens als Loop. Bilder der Flüsse Vrbas und Save als grünes Endlosband, gekrönt von einem hölzernen Vehikel.

Herbarium Savaeum [Visionerski Transport, 2008/2010]
Pflanzen des rechten Savaufers / 48 Reproduktionen getrockneter Pflanzen / 48 Zeilen eines Gedichtes Projektion / ca. 1,65 m x 1 m
S/W Dias, Diaprojektor mit Rundmagazin + Timer

exhibition_herbarium

Auf dem Mond sammelten die Erstbegeher Steine – um neue Spezies zu finden und sicherzustellen, dass sie wirklich da gewesen sind.
Als die VT Besatzung die Save bereiste, sammelten sie zwischen Kaoci (BiH) und Belgrad (RS), entlang des rechten Saveufers, Pflanzen. Das linke Saveufer war nicht selten zubetoniert – und für das VT Floß, aufgrund fehlender Genehmigungen, verbotenes Land. Nach der Reise wurde das gro8e Herbarium auf dem Dachboden des VT Hauptquartiers in Belgrad eingelagert.
Kürzlich baute VT einen Reprographie-Leuchttisch und fotografierte darauf die getrockneten Gewächse. Eine Übersetzung in Zeichen; farblos getuschte Schemen zeichneten sich ab, unabhängig davon tauchte ein sonderbares Gedicht auf.

O nemcima [Franziska Wicke, 2010]
oder “ … , dass der Schwabe geschickt wie der Teufel ist”
Wandinstallation, ca. 5 x 3 Meter
100 doppelseitig bedruckte Wortmappen aus Karton und gepolstertem Kunstleder, alter Schreibtisch, alte Schreibtischlampe

exhibition_nemcima1Immer wenn uns beim Floßbau das Englische ausging beim Benennen der Werkzeuge, mussten wir uns kaputtlachen, wenn wir nach intensiven Erklärungsversuchen feststellen mussten, dass wir, hätten wir in unseren Muttersprachen gesprochen, uns besser verstanden hätten. Der Name für Schraubenzieher zum Beispiel lautet im Serbokroatischen šrafciger.
o-nemcima
Über 2000 Germanismen (Germanizmi) sind seit dem Mittelalter mit Bergleuten, Handwerkern, Soldaten und Siedlern aus dem Deutschen ins Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens ausgewandert. Vor allem während der Besatzung durch das Habsburgische Reich und der jugoslawischen Gastarbeiterwelle wurden von Deutschen und aus Deutschland mitgebrachte Dinge und Charakteristika, die im serbokroatischen Sprachraum in dieser Form unbekannt und unbenannt waren, mit Namen übernommen, und phonetisch an die serbokroatische Sprache angepasst.
In der Summe der Worte entsteht eine landkartenartige Selbstbeschreibung der deutschen und österreichischen Eigentümlichkeiten und – artigkeiten.

Programm der Ausstellung


Lesung “Teile”
(bilingual)
mit Nora Wicke und der Übersetzerin ihres Romans, gefolgt von einem moderierten Gespräch über den Vorgang des Übersetzens

07_reading_nora-wicke
Nora Wicke liest aus ihrem Roman „Teile“, der von der Zerstreuung einer Familie auf dem europäischen Kontinent erzählt, von Fäden, die sich durch verschiedene Orte in Serbien-Frankreich-Niederlande-Deutschland-Rumänien-Bosnien ziehen. Fäden, die von der Hauptprotagonistin Eliza wieder geknüpft werden. Sie fährt umher, sie hält an, sie schreibt Postkarten und Briefe. Die Geschichte erzählt von der Dringlichkeit zu erfahren, woher man kommt und zu wissen, welche Wege aus welchen Gründen zuvor gegangen wurden, um dann eigene gehen zu können.

Performance “Light in the river”
mit Nadja Rothenburger und Nikola Koruga
Nach einigen Monaten Email-Korrespondenz, in welcher Vorstellungen von dem Save-Floß-Projekt, von Kunst, von Leben und Wissen ausgetauscht wurden, treffen sie sich schließlich zum ersten Mal auf der Ausstellungseröffnung in Leipzig.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA Zwei Künstler, die sich noch nie gesehen haben. Er lebt in Serbien, sie in Deutschland. Keiner von beiden hat unmittelbar an der Floßfahrt teilgenommen, jedoch haben sie diese über den Austausch mit Freunden miterlebt, Fotos gesehen, Erzählungen gehört, Texte gelesen. Durch die Performance beginnen sie, ihrer Annäherung greifbaren Ausdruck zu verleihen. Sie erforschen das Verhältnis ihrer Körper, verstehen ihre Körper als einen Ausdruck der Kultur, in der sie leben. Mittels der Fragen, Gedanken und Dinge, die sie in ihrer Annäherung sammeln und bündeln, bieten sie einen einzigartigen Einblick in ihre erste persönliche Begegnung.

Vortrag “Save und Elbe – ein vergleichendes Wagnis”
mit der Dipl. Umweltwissenschaftlerin Heike Lipper, mit anschließender Diskussion
Heike Lipper hat verschiedene Gewässer mit einem Floß erfahren und veranschaulicht die natürliche Ähnlichkeit von Save und Elbe.
Zwei Flussläufe wie Geschwister, die voneinander getrennt verschiedene Länder durchkreuzen. Ähnlichkeiten die entstehen in der Zeichnung ihrer Flussläufe, in der Auswertung von Statistiken, Fotos und geschichtlichen Gegenüberstellungen. Zwei Wasserstraßen die als Grenzziehungen genutzt wurden, einschneidende Veränderungen herbeiführend. Und zwei Wasserstraßen die heute wie morgen in ihrer jeweiligen Vielfältigkeit prägnant sind, einer Vielfalt die bedroht wirkt.

Lesung „Unterwegs, stromaufwärts“
von und mit Studierenden aus Mostar (Bosnien und Herzegowina) und Kragujevac (Serbien)

reading_studentsNicht mal mehr an der Grenze muss der Reisepass vorgezeigt werden. Die Reisefreiheit ist zur Normalität geworden. Für viele BosnierInnen und SerbInnen ist das visumsfreie Reisen eine neue Erfahrung. Eine Gruppe bosnischer und serbischer Studierender setzt sich mit dem Thema des Unterwegsseins in ihren Texten auseinander.


Lesung + Konzert

Zoran Trklja + ѕрикавци
Zoran Trklja schreibt Gedichte und in Blogs (procedura), kommt aus Belgrad/ Subotica. Teil einer Szene, die sich im Umkreis der offenen Lesungen im Rex in Belgrad entwickelt hat („Pesnicenje„), welche von der Gruppe „Skart“ (auch das Horkestar entsprang daraus) initiiert wurden.
concert_zrikavciEr veröffentlichte einen Band Gedichte für das legendäre Tapelabel „Slusaj najglasnije!„. Die Band ѕрикавци (Zrikavci) ist die neue Band eines Freundes, der schon 2006 Leipzig mit seiner damaligen Band „Manisent i Mentalnost“ heimgesucht hat, das Konzert auf der Save haben sie auch organisiert, das Abschluss unserer Floßfahrt im Jahr 2008 war. Jetzt mit der neuen Band werden sie uns ohne Zweifel überraschen, da es ziemlich geheim ist alles (keine Internet-Präsenz), ein Freund beschrieb ihre Intentionen als „totale Dekonstruktion von irgendwas“, vermutlich sind sie also die neuen LAIBACH.

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